Artikel in Fachzeitung MOVEO (Ztg. für Gesundheit, Sport und Pflege) Ausgabe Mai/Juni 2014

Eisbrecher auf vier Pfoten  –  Die Besuchshunde des DRK Krefeld

Fotos Moveo2Die nette, ältere Dame lächelt beseelt und fröhlich. Mit beiden Händen streichelt sie vorsichtig Wilmas weiches Fell. Die sechsjährige King Charles/Cocker Mix Hündin ist ein echter Berufsprofi und heute, wie an jedem ersten Sonntag im Monat, zu Gast in der Krefelder Seniorenresidenz „Bellini“. Aber Wilma ist nicht allein unterwegs. Sie hat ihre siebenjährige Freundin Hanka mitgebracht, eine freundliche, schwarze Labrador Retriever Hündin.

Auf den zweistündigen Besuch der verschmusten und schlauen Vierbeiner freuen sich die Bewohner der Seniorenresidenz immer ganz besonders. Wilma und Hanka sind für das Deutsche Rote Kreuz seit gut einem Jahr in Krefeld und Umgebung als Besuchs- und Therapiehunde unterwegs und verstehen sich prima: „Das ist auch eine unabdingbare Voraussetzung für den Einsatz in der Hundebesuchsgruppe. Beide Hunde müssen sich gut verstehen, einander vertrauen und nicht futterneidisch sein“, erklärt Daga Müge vom DRK Besuchshunde-Team.

In einer kleinen Gruppe von etwa 10 Bewohnern zeigen die Hunde in der Wohnküche der Einrichtung kleine Tricks, apportieren Gegenstände, werden gekämmt und gebürstet und bekommen ganz viel Streicheleinheiten. Die gemeinsamen Spiele mit den Hunden haben die Hundeführerinnen, Daga Mügge und Martina Aller so konzipiert, dass die Bewohner geistig und körperlich angeregt und ins Geschehen mit einbezogen werden. „Dabei werden das Gedächtnis, das Erinnerungsvermögen, aber auch die Sprachfähigkeit, Feinmotorik und die Problembewältigung der Senioren gefördert“ erläutert Martina Aller, während ihre Wilma gerade Leckerchen sucht, die die Bewohner in kleinen Döschen und Bällen versteckt haben. Danach verteilt Labrador Hündin Hanka mit einem Körbchen Karten an die Senioren. Darauf stehen Sprichwörter, die es zu vervollständigen gilt.

Für jede gelungene Aktion erhalten die Hunde Streicheleinheiten und eine Belohnung. „Leckerchen zu verteilen macht natürlich Spaß, den Hunden sowie den Bewohnern“ betont Frau Thyßen-Eckhardt, Leiterin des Betreuungsdienstes in der Bellini Seniorenresidenz. 

Die beiden Hundeführerinnen achten unterdessen immer ganz genau auf die Körpersprache und die Reaktionen ihrer wuscheligen Schützlinge: „Wichtig ist es frühzeitig zu erkennen, ob die Hunde
noch fit und nicht überlastet oder gestresst sind, denn so ein Einsatz ist für Hunde – und auch für uns – schon sehr anstrengend.“, gesteht Daga Mügge. Besuchs- und Therapiehund sein will deswegen auch gelernt sein.

Beim Krefelder Kreisverband des DRK haben die beiden Hunde und ihre Hundeführerinnen das notwendige Zertifikat erworben. Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Besuchs- und Therapiehundeführer dauert dort ein halbes Jahr, erklärt DRK Kreisgeschäftsführerin Sabine Hilcker. „Die Hunde müssen einen Eignungstest bestehen. Es wird festgestellt, ob die Tiere wesensfest und stressresistent sind. Die Hunde sollten nicht schreckhaft sein und auch bei lauter Geräuschkulisse und umherfahrenden Rollatoren die Ruhe bewahren.“ Aber nicht nur die Hunde müssen in der Ausbildung etwas lernen, sondern natürlich auch die Hundeführer: „Diese bekommen eine Ausbildung im Umgang mit älteren Menschen, Demenz und psychischen Erkrankungen“, so Hilcker weiter. Die ehrenamtlichen Hundeführer des DRK besuchen mit ihren Hunden derzeit verschiedene Altenheime in der Region. In Zukunft soll dieses Projekt aber auch als ambulanter Besuchsdienst ausgeweitet werden, verrät die DRK Kreisgeschäftsführerin: „Es gibt eben sehr viele Menschen, die zuhause einsam und alleine sind und wo die Besuchshunde positiven Einfluss nehmen können.

In der Seniorenresidenz „Bellini“ weiß man den liebevollen und engagierten Einsatz des Besuchs- und Therapiehundeteams zu schätzen: „Tiere nehmen den Menschen so an wie er ist“, unterstreicht die Leiterin des Betreuungsdienstes, Beate Thyssen-Eckhardt, „Hunde kennen einfach keinerlei Vorurteile. Sie sind Eisbrecher, Spannungslöser und Bedürfnisaufdecker. Sie sind geduldig, menschenorientiert und zärtlich.

In der Wohnküche der Seniorenresidenz haben Wilma und Hanka die Herzen der Bewohner ganz schnell erobert. Eine Stunde mit den freundlichen Vierbeinern ist schnell vorbei, aber es lohne sich immer wieder, wenn man die positiven Reaktionen der älteren Herrschaften sieht, betonen die beiden Hundeführerinnen.

Am Ende des Vormittages sind alle rundum zufrieden. Wilma und Hanka sind mittlerweile auch ein bisschen müde und erschöpft. Sie freuen sich nun auf ihr wohlverdientes Mittagsschläfchen im heimischen Körbchen. Und die Bewohner in der Seniorenresidenz „Bellini“ freuen sich schon auf den nächsten Besuch von Wilma und Hanka.

René Schatto

Text und Bilder René Schatto