Meine Therapiehundeausbildung mit Hanka beim DRK in Krefeld

Februar – Juni 2013

In den letzten Jahren hatte ich vergeblich versucht, in unserem Bereich eine qualifizierte Therapiehundeausbildung mit Hanka zu machen. Im Oktober 2012 wurde ich zufällig fündig, denn das Deutsche Rote Kreuz in Krefeld suchte für einen ersten Kurs interessierte Hundeführer mit Hund. Der Kontakt zu Herrn Weber vom DRK in Krefeld war schnell geknüpft und ich war bereit, die Vorgaben des DRK anzuerkennen (z.B. zusätzliche Belegung eines zweitägigen Erste Hilfe Kurses + Auffrischung alle 2 Jahre und spätere Therapiehundearbeit nur in Einrichtungen in Krefeld, etc.). Das war u.a. Bedingung, da das DRK Krefeld alle Kosten für die Ausbildung der Hunde und Hundeführer, spätere Ausrüstung für Hund und Hundeführer, etc. übernahm.

Beim Vorgespräch im Dezember 2012 vor Ort waren fast 30 interessierte Hundeführer anwesend, von denen dann letztendlich 14 Teams zum Eignungstest eingeladen wurden. Der Eignungstest und die Ausbildung wurden von zwei externen Therapiehundeführerinnen vom DRK Landesverband Hessen durchgeführt.

9 Teams wurden dann nach dem Eignungstest zur Therapiehundeausbildung zugelassen, von denen dann leider noch 2 Teams am 2. Tag des 1. Trainingsmoduls (Theorie und Praxis) ausscheiden mussten. Die verbliebenen 7 Teams konnten nicht unterschiedlicher sein. Von „mini“ (Cocker Mix Spaniel) bis „XXXL“ (Landseer) war alles dabei.

Hilfreich waren uns bei der Ausbildung die beiden Therapiehundeausbilderinnen Elvira Reinmüller und Gudrun Ernst vom DRK Landesverband Hessen, die sich in ihrer Freizeit unserer Weiterbildung stellten. Ganz herzlichen Dank euch beiden!

Prüfung THADer theoretisch-praktische Teil beinhaltete 50 Übungsstunden in Theorie und Praxis, in denen Hund und Hundeführer bewusst vielen Stresssituationen ausgesetzt wurden. Man wollte feststellen, ob die Hunde auch wirklich im Einsatz in absoluten Stresssituationen die Ruhe bewahren und keine Stresssymptome zeigen oder z.B. aggressiv auf Stresssituationen reagieren. So mussten z.B. alle Hunde gemeinsam vom ersten Tag an über Stunden während der theoretischen Stunden bei den Hundeführern unter dem Tisch liegen (egal ob Rüde oder heiße Hündin). Ich war überrascht wie problemlos das geschah!

An allen Tagen mit praktischen Übungen gab es ähnliche Situationen wie bei uns beim Wesenstest – wobei insgesamt die optischen und akustischen Reize an Einfallsreichtum nicht zu überbieten waren.

Während auf dem Wesenstest des DRC und LCD die Anzahl der optischen und akustischen Reize genau vorgeschrieben ist (3 opt. + 3 akust.), prasselten hier in den praktischen Sequenzen mehrfach auf kleinstem Raum (etwa 3m x 3m) gleichzeitig die von 8 Helfern „betriebenen“ Rasseln, Klappern und Tröten auf den Hund ein. In anderen Situationen mussten die Hunde zur Stressüberprüfung Situationen ertragen, die einer Bedrohung glichen (plötzlicher, unerwarteter Schubs in die Seite – fiktive, alkoholisierte Menschengruppe (mit echter, geöffneter Bierflasche in der Hand), die auf das Gespann zustürmt und das Team bedrängt – in schummrig dunklem Flur begegnete man einer auf einer Treppe sitzenden Person, die das Team kurz begrüßte und dann den Hund in seiner Augenhöhe anschrie – eine Kreisprobe, bei der der Kreis insgesamt 6 x geschlossen wurde und die Helfer beim letzten Schließen brabbelnd den Kreis schlossen, etc. Diese Bedrohungen des Hundes wurden bewusst provoziert, was z.B. in unseren Wesenstesten nicht erlaubt ist. Man wollte sicher sein, dass alle Hunde auch in extremsten Situationen Ruhe bewahren. Alle 7 Prüfhunde reagierten in diesen Situationen ruhig und gelassen.

Auch hierbei wollten die Ausbilder sicher sein, dass die Hunde in extremen, lauten Situationen ruhig und sicher reagieren, denn beim Einsatz in Einrichtungen mit Kindern oder auch geistig behinderten Personen kann der Lärmpegel extrem hoch sein, was für einen Hund evt. unheimlich und sehr bedrohlich wirken kann. Alle 7 Hunde meisterten diesen Teil mit absoluter Gelassenheit. „Hanka“ nannte man sogar die „Tiefenentspannte“.

Im 2. theoretisch-praktischen Teil fand dann bereits der erste fiktive Einsatz statt. Je zwei oder drei Teams müssen sich einer Gruppe von 8 Kindern in einem Sitzkreis stellen. Außerdem stand dann noch ein richtiger Einsatz unter Aufsicht der Ausbilder in einem Altenheim statt – insgesamt eine spannende, aber auch aufregende Situation für Hund und Hundeführer. Hanka meisterte all diese Situationen mit solch einer Gelassenheit, als hätte sie schon immer diesen Job gemacht.

Prüfung THA

In der Zeit zwischen Ausbildung der Teams und schriftlicher- und praktisch/mündlicher Prüfung mussten dann noch 3 Hospitationen in zwei unterschiedlichen Einrichtungen unter Aufsicht eines ausgebildeten Therapiehundeführers absolviert werden.

Insgesamt war die gesamte Therapiehundeausbildung eine spannende Zeit. Das Programm war umfangreich und straff geschnürt. Am 7. Juni fand dann die schriftliche Prüfung statt.

Der praktisch/mündliche Teil erfolgte dann am 8. Juni. Dieser Teil der Prüfung wurde von einer externen Prüferin/Therapiehundeführerin (Frau E. Schmidt) geprüft. Für den praktischen Teil mussten wir uns einen sog. Trick ausdenken. Dazu gehörten z.B. eine Rolle machen, Pfötchen geben, Schubladen öffnen, Jacke oder Socken ausziehen, winken, etc.

Da mich diese Aufgaben zu sehr an die Vermenschlichung meines Hundes erinnerte, habe ich lieber Hankas retrievertypische Anlagen gefördert und mit ihr andere Aufgaben einstudiert.

THAHanka begrüßte dann auf der Prüfung im praktischen Teil die Prüferin Frau Schmidt und meine fiktiven Patienten mit einem Korb im Fang, in dem Utensilien für unseren praktischen Part und ein Strauß Blumen steckten. Diese Blumen übergab Hanka dann zur Begrüßung einzeln an die Patienten weiter.

In unserem praktischen Teil mussten dann meine Patienten zu ihrer motorischen Förderung ein Dummy in einen etwa 3 m entfernten Eimer werfen. Alle Dummies musste Hanka dann aufsammeln und wieder zu meinen Patienten bringen. Für eine weitere Aufgabe, die die Wahrnehmungsfähigkeit meiner Patienten fördern sollte, hatte ich kleine Stoffsäckchen genäht, die z.B. ein Handy, zwei Kulis, Muscheln, Weinkorken, einen Flaschenöffner o.ä. enthielten. Für meine Patienten musste Hanka diese Säckchen dann jeweils einzeln meinen Patienten bringen. Die Patienten sollten dann diese betasten und erraten, um welchen Gegenstand es sich in dem Säckchen handelte.

Dieser letzte Teil der Aufgabe (das Tragen eines Handys, der Metallteile, der Kulis, Muscheln o.ä.) war für Hanka zunächst ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Besonders das Tragen der beiden Kulis in dem Säckchen war für sie recht mühselig, da sie die zwei Kulis beim Aufnehmen des Säckchens schlecht fassen konnte.Prüfung THA

Wegen des begrenzten Zeitplans für die Tricks konnte Hanka ihren Belohnungstrick leider nicht mehr ausführen. Ich hatte mit ihr geübt, dass sie sich über einen sog. Leckerchenball (Leckerchen werden über ein kleines Schiebertürchen im Ball eingelagert) selbst belohnen kann. Meine Patienten sollten dann zu ihrer Mobilitätsförderung den Ball mit Leckerchen bestücken. Um an die Leckerchen zu gelangen, gibt es für Hanka zwei verschiedene Kommandos. Auf das Kommando „schubs“ rollt Hanka den Ball auf dem Boden so lange, bis dieser die Leckereren frei gibt. Beim zweiten Trick mit dem Leckerchenball wird dieser versteckt und auf das Kommando „such verloren“ darf Hanka den Ball suchen, was für Hanka natürlich das allergrößte Highlight ist. Leider reichte die Zeit für diese beiden Tricks nicht mehr.

Die Prüfung haben alle 7 Teams bestanden.

Bei der Endbesprechung sagte die Prüferin dann, dass Hanka und ich ihr als Team am besten gefallen haben und dass sie Hankas Tricks am besten fand. Wir können also mit unserer Vorstellung zufrieden sein.

Wohin mich nun in Zukunft die Therapiehundearbeit führen wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Es gibt so viele mögliche Einsatzgebiete – angefangen vom Einsatz in Alten- und Seniorenheimen, Kindertagesstätten, Hospizen, Rehakliniken, Behindertenwerkstätten, Einrichtungen für Schmerztherapien, Therapie-Assistenzhunde, etc. ….! In den nächsten Monaten werde ich in Ruhe abklären, welcher Einsatz mich ganz besonders reizen würde und für welchen Einsatz Hanka und ich besonders geeignet sind. Wir werden berichten!

Inzwischen sind fast zwei Jahre verstrichen, wir schreiben das Jahr 2015 und ich kann Bilanz ziehen:

Hanka ist für Einsätze aller Art sehr gut geeignet. Inzwischen arbeiten wir regelmäßig in zwei verschiedenen Altenheimen – entweder einzeln bei einem Einsatz auf dem Zimmer oder in einer Gruppe mit 10 – 12 Bewohnern. Der Einsatz in der Gruppe macht mir und Hanka ganz besonders viel Spass. Wir können mehr agieren und arbeiten im Team mit Martina und Wilma (Cocker/Spaniel Hündin), die gleichzeitig mit uns beim DRK in 2013 die Therapiehundeausbildung gemacht haben. Für die Einsätze im Bewohnerkreis überlege ich mir fortwährend immer wieder neue Spiele (inzwischen sind es fast 40), in die ich fast immer die Bewohner und auch die Hunde gleichzeitig mit einbeziehen kann. Wichtig ist dabei, dass die Bewohner geistig, mental und auch manuell gefördert und gefordert werden.

Das Wichtigste für mich ist aber, dass Hanka und ich im Team sehr viel Freude haben und dass wir mit unseren Einsätzen immer wieder ein Lächeln in die Gesichter der Bewohner zaubern können.

(alle Fotos S. und T.Weber)